
Weinlese in Epesses: Ein Jahrgang 2026, entstanden aus einem trockenen Frühling und einem brütend heißen Sommer
In Epesses erzählt die Weinlese jedes Jahr ihre eigene Geschichte, und die Ernte 2026 wird unvergesslich bleiben. Ein trockener Frühling mit kaum Regen ging einem Sommer voraus, der von intensiver und anhaltender Hitze geprägt war. In unseren terrassierten Weinbergen mit Blick auf den Genfersee bestimmte diese Kombination den Rhythmus: Reben, die mit Wassermangel zu kämpfen hatten, Trauben, die schneller als üblich reiften, und Erntehelfer, die früher als erwartet im Einsatz waren. Bei La Maison Massy gehen wir diese Lese mit den gleichen hohen Ansprüchen wie immer an: Handlese zum richtigen Zeitpunkt, damit dieser außergewöhnliche Jahrgang einen Wein hervorbringt, der der Herausforderung, die er darstellte, gerecht wird.
Ein Jahrgang, geprägt von Dürre und Hitze

Ab April machte sich der Regenmangel an den Hängen des Lavaux, einer zum UNESCO-Welterbe gehörenden Region, bemerkbar. Dieser trockene Frühling hemmte das Wachstum der Reben und zwang sie, auf ihre Reserven zurückzugreifen, anstatt vom wassergesättigten Boden zu profitieren. Dann kam der Sommer mit seinen heißen Tagen, die die Photosynthese und die Reifung der Trauben beschleunigten. Die Folge: kleinere Trauben, dickere Schalen und ein rasch ansteigender Zuckergehalt.
Für unsere Winzer erfordert ein solches Jahr ständige Aufmerksamkeit: die Überwachung des Wasserstresses, den Schutz der Trauben vor Sonnenbrand und vor allem die Vermeidung von Gewohnheiten, die den Lesekalender bestimmen. Im Jahr 2026 war es der Weinstock selbst, nicht der Kalender der Vorjahre, der den Beginn der Lese signalisierte.
Die Geschichte und Tradition der Weinlese in Epesses
Die Weinlese ist hier für alle Schweizer Weinliebhaber ein absolutes Muss, unabhängig vom Wetter des Jahres. Diese Tradition, die im Mittelalter wurzelt, als Zisterziensermönche diese Terrassen anlegten und das einzigartige Potenzial dieser Böden erkannten, wird in den Winzerfamilien des Dorfes noch heute von Generation zu Generation weitergegeben.
Bei La Maison Massy ist Weinbau seit vier Generationen Familiensache. Wir erinnern uns noch gut an die Weinlese unseres Großvaters, als wir den Tag mit einer heißen Suppe und einem Glas Chasselas ausklingen ließen. Diese Mischung aus harter Arbeit, Leidenschaft und Kameradschaft hat sich nicht verändert, selbst wenn, wie im Jahr 2026, die Hitze uns zwingt, schon im Morgengrauen mit der Lese zu beginnen, um die Frische der Trauben zu bewahren.
Wann beginnt die Weinlese im Jahr 2026?
Dieses Jahr war die Frage schnell beantwortet: Die Trauben reiften früh. Der trockene Frühling hatte das vegetative Wachstum eingeschränkt, und der sehr heiße Sommer beschleunigte die Zuckerbildung. Unsere Teams überwachten Zucker- und Säuregehalt genau, da wir wussten, dass extreme Hitze den Säuregehalt ebenso schnell senken wie den Zuckergehalt erhöhen kann. Die Chasselas-Lese beginnt am 14. September, einige Parzellen wurden aber bereits im August geerntet.
Ein Klima, das etablierte Normen in Frage stellt
Der Klimawandel ist für die Winzer von Lavaux keine ferne Hypothese mehr: Das Jahr 2026 ist ein weiteres konkretes Beispiel dafür. Nach einem besonders trockenen Frühling brachte der Sommer eine Reihe von Hitzetagen, die zu einer beschleunigten Reifung und stellenweise zu erheblichem Wasserstress auf den flacheren Parzellen führten.
Angesichts dieser Herausforderungen bleibt das Team von La Maison Massy optimistisch. Wie wir gerne sagen: „Jeder Jahrgang ist ein Abenteuer, und 2026 hat uns daran erinnert, dass wir anpassungsfähig sein müssen; wir nehmen diese Herausforderung mit einem Lächeln und viel Leidenschaft an!“

Die handwerkliche Expertise der manuellen Weinlese
In einem so anspruchsvollen Jahr wie 2026 gewinnt die Handlese noch mehr an Bedeutung. Nur so lassen sich die einzelnen Beeren präzise sortieren, die zu stark von der Hitze gezeichneten aussortieren und die Finesse bewahren, die Chasselas de Lavaux so besonders macht. Durch die Handlese werden hitzebedingt verschrumpelte Beeren entfernt – ein wertvoller Vorteil in einem trockenen Jahr. Gleichzeitig ist sie eine schonende Behandlung für die Reben, die unerlässlich ist, wenn diese bereits durch die Trockenheit geschwächt sind. Handlese-Trauben behalten zudem ihre Aromen besser, was bei einer so schnellen Reifung entscheidend ist.
Von der Weinlese bis zur Weinherstellung
Die 2026er Trauben, die von Hand gelesen werden und einen höheren Zuckergehalt sowie dickere Schalen aufweisen, werden zur Weinherstellung weitergeleitet. Die Trauben werden sorgfältig gepresst, um einen reichhaltigen und duftenden Saft zu gewinnen. Anschließend beginnt die Gärung des Mostes in Gärbehältern unter den wachsamen Augen unseres Kellermeisters, der auf das Gleichgewicht zwischen Kraft und Frische achtet.
Für Chasselas folgt dieser Prozess einer ganz bestimmten Logik. Die Handlese ermöglicht die unversehrte Ernte ganzer Trauben, die anschließend schnell zur Kelter transportiert und direkt gepresst werden: Die Trauben werden ohne vorherige Mazeration oder Entrappung gepresst, wodurch ein klarer und delikater Saft entsteht, der die Finesse der Rebsorte perfekt widerspiegelt. Dieser Most wird dann zur alkoholischen Gärung in Gärbehälter gefüllt. Dabei wandeln die Hefen den Zucker nach und nach in Alkohol um und entfalten so langsam die für das Terroir von Epesses und Lavaux typischen Aromen.
Die Rolle der Region und des Genfersees in einem so heißen Sommer

Ohne diese einzigartige Kombination aus Boden und See wären die Auswirkungen des trockenen Frühlings und des sengenden Sommers weitaus gravierender gewesen. Im Jahr 2026 bildeten Klima und Terroir von Epesses mehr denn je eine unverzichtbare Barriere für den Erhalt der Qualität der Trauben.
Gerade in einem Jahr wie 2026 offenbart sich der wahre Wert des Terroirs von Epesses in seiner ganzen Pracht. Die südliche Ausrichtung der Terrassen, die normalerweise die Reifung der Trauben begünstigt, erforderte in diesem Jahr ein sorgfältiges Management der Sonneneinstrahlung. Zwei Faktoren spielten dabei eine entscheidende Rolle: ein Boden, der tiefgehende Feuchtigkeit speichert und so trotz der oberflächlichen Trockenheit Eleganz und Ausgewogenheit verleiht, und der Genfersee, ein wahrer Temperaturregulator, der die Hitzewellen abmilderte und den Stress für die ufernahen Reben begrenzte.
Anpassung ohne Aufgeben von Traditionen
Der trockene Frühling und der brütend heiße Sommer 2026 erinnern uns daran, dass sich der Weinbau mit dem Klima weiterentwickelt. Doch in Epesses bleibt das Gleichgewicht zwischen Innovation und Tradition bestehen: Die Lesezeitpunkte werden angepasst, die Weinbergsüberwachung intensiviert, aber die überlieferten Praktiken, die die Qualität des Weins sichern, werden bewahrt.
Bei La Maison Massy verwenden wir seit dreißig Jahren dieselbe Presse – unsere Hommage an die Vergangenheit, ein Ausdruck dafür, dass wir uns weiterentwickeln und anpassen, ohne jemals zu vergessen, woher wir kommen.
Die Weinlese in Epesses im Jahr 2026 ist nicht nur ein einfacher, obligatorischer Schritt: Sie ist ein neuer Akt der Widerstandsfähigkeit, ein Beweis dafür, dass La Maison Massy die Herausforderungen des Klimas zu meistern weiß, ohne dabei jemals die Seele ihres Know-hows zu verlieren.